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Einzelhandel in Baden-Württemberg im zweiten Jahr hintereinander hinter dem Bundesdurchschnitt

10. Oktober 2017

Handelsverband Baden-Württemberg fordert von der neuen Bundesregierung vor allem bessere Rahmenbedingungen

Der Einzelhandel in Baden-Württemberg schließt in den ersten sieben Monaten mit einem Plus von 0,7 Prozent real deutlich schlechter ab als der Einzelhandel im Bund mit 2,8 Prozent.* Damit liegt der Handel in Baden-Württemberg, den guten wirtschaftlichen Voraussetzungen im Land zum Trotz, bereits im zweiten Jahr in Folge hinter dem Schnitt der anderen Bundesländer. In die letzten Monate des Jahres startet der Handel skeptisch, ein Drittel erhofft sich jedoch noch eine erfolgreiche Aufholjagd und damit die Verringerung des Abstandes. Topthemen des Handels für den Wirtschaftszweig Handel bilden nach wie vor die Themen Attraktivitätsverlust und der damit verbundene Frequenzrückgang in den Städten, neben den Debatten um Fahrverbote in Innenstädten, zunehmendem E-Business und Kaufzurückhaltung sowie Entbürokratisierung.

Der Handelsverband Baden-Württemberg hat seine Mitgliedsunternehmen aller Branchen und Betriebsgrößen zum Halbjahr 2017 befragt: Danach lagen 28,9 Prozent der Einzelhandelsbetriebe zum 15.09. im nominalen Umsatzplus* zum Vergleichszeitraum 2016. Fast die Hälfte musste ein Minus verbuchen, 22,7 Prozent der Geschäfte meldete ein Pari. Auch bei den Aussichten für das Gesamtjahr 2017 äußerten sich viele Befragte eher pessimistisch: 32,6 Prozent erwarten ein Plus, davon erwarten 28,4 Prozent nur ein leichtes Plus zum Vorjahr. 17,9 Prozent hoffen auf stabile Umsätze, demgegenüber befürchtet rund 49,5 Prozent ein Minus zum Vorjahr.

Zwar wird die Konsumstimmung im Einzelhandel derzeit als positiv beurteilt; sie schlägt aber in Baden-Württemberg nicht so durch wie in anderen Bundesländern. „Die guten Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg wie hohe Erwerbstätigkeit, steigende verfügbare Einkommen und damit hohe Kaufkraft sowie ein niedriges Zinsniveau erreichen bislang leider den stationären Handel im Land nicht so, wie erwartet“, sagte Hermann Hutter, Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg, bei der Präsentation der Umfrageergebnisse.

*Vom Statistischen Landesamt liegen die Umsatzzahlen erst bis 31. Juli vor.

Attraktivität der Innenstädte und Infrastruktur

Große Sorgen machen dem Handel im Zusammenhang mit den Umsatzentwicklungen die Frequenzrückgänge in den Innenstädten. Für den Einzelhandel ist vor diesem Hintergrund wichtig, dass die Innenstädte weiterhin und auch in Zukunft attraktiv und vor allem auch erreichbar bleiben, so Präsident Hermann Hutter. “Fahrverbote, Streichung von Parkplätzen in den Innenstädten und gleichzeitige unzureichende Investitionen in den ÖPNV kommen einem Berufsausübungsverbot für den stationären Innenstadthandel gleich und wirken auf der anderen Seite wie ein Konjunkturprogramm für den E-Commerce-Handel. Da aber auch Pakete mit Autos zugestellt und abgeholt werden müssen, wird dadurch innerstädtischen Fahrbeschränkungen zum großen Teil die Rechtfertigungsgrundlage entzogen.

Weiterhin ist für den Handel von außerordentlicher Relevanz, dass auch für den Zulieferverkehr die Infrastruktur nicht nur funktionsfähig bleibt, sondern verbessert und ausgebaut wird.

Der HBW fordert daher in diesem Zusammenhang u.a.:

  1. Einen Masterplan mit zeitlichen Fristen und hohen staatlichen Investitionen zur Entwicklung und Förderung der allgemeinen Mobilität
  2. Die Förderung von E-Mobilität sowie die Errichtung der dazu nötigen Ladeinfrastruktur in BW
  3. Den gleichzeitigen, dringend nötigen Ausbau des ÖPNV
  4. Die flächendeckende Einführung von modernen Parkleit- und Verkehrssystemen in den Städten in Baden-Württemberg

Ob Online- oder Offline-Handel: Die Zukunft des Handels ist digital

Digitalisierung und Vernetzung sind für den Handel weiterhin die größten Herausforderungen. Die damit verbundenen Innovationen verändern in einer bis dahin nicht vorstellbaren Geschwindigkeit die Abläufe der Branche. Der Wachstumstreiber heißt dabei Digital-Commerce. Bis 2020 könnte der Anteil des Online-Handels am deutschen Einzelhandel von heute etwa neun auf 20 Prozent wachsen. Dabei bedeutet Digitalisierung für den Einzelhandel weit mehr, als nur Online-Handel. „Es verändert sich das ganze Geschäftsmodell Handel als Beziehungsgeflecht zwischen Erzeugern, Lieferanten, Dienstleistern, Händlern und Kunden, entsprechend verschiedener Studien kommt es zur Konzentration und Sterben desjenigen Einzelhandels, welcher sich nicht adäquat auf diese Veränderung einstellt und eingestellt hat.“, so Harald Hepperle, Geschäftsführer Spielwaren Kurtz. „Ich glaube, die Frage kann nicht mehr „online oder offline“ lauten, sondern jeder Händler muss für sich die Kanäle richtig bespielen. Zwischenzeitlich gibt es nur noch sehr kleine Konsumentengruppen, die „kanaltreu“ nur online oder offline kaufen“, so Hepperle weiter.

Forderungen des Handels für die neue Legislaturperiode

Der Einzelhandel hofft auf schnelle Einigung der Koalitionäre auf Bundesebene, um der Wirtschaft schnellstmöglich Planungssicherheit zu geben. Forderungen des Handels an die neue Legislaturperiode sind vor allem bessere Rahmenbedingungen in vielen Bereichen:

Dazu gehören schärfere Gesetze und konsequentere Verfolgung und Bestrafung von Laden- und organisierten Bandendieben, die im Einzelhandel jährlich Milliardenschäden erzeugen. „Wichtiger als der wirtschaftliche Schaden ist uns aber die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Mitarbeiter. Mitarbeiter, die Opfer von Überfällen werden, können diese Erlebnisse nur schwer verarbeiten. Daher fehlt ihnen und uns auch das Verständnis dafür, wenn der Staat solche Kriminelle nicht konsequent verfolgt und hart bestraft.

Neben der Forderung nach Entlastung vor allem kleiner und mittlerer Einkommen um die Kaufkraft zu stärken, fordert der Handel mit Vehemenz die Reformierung der Unternehmensbesteuerung. Vor dem Hintergrund zunehmendem E-Commerce-Handel unterstreicht der Verband auch seinen Aufruf, gleiche Wettbewerbs- bedingungen für den digitalen im Vergleich zum stationären Handel zu schaffen. In diesem Zuge erwartet er auch endlich die vom Verband lange schon geforderte Abschaffung von europäischen Steueroasen für den Online-Handel. Dazu Hermann Hutter: “Die Rahmenbedingungen müssen für alle Händler so gestaltet werden, dass sie fair sind und der stationäre Handel vor dem Hintergrund des aktuellen digitalen Wettbewerbs nicht noch mehr unter Druck gerät“.
Dringenden politischen Handlungsbedarf sieht der Verband auch bei der Reform der EEG-Umlage, die vor allem Verbraucher und den Handel zugunsten weniger Großabnehmer stark belastet.

Darüber hinaus fordert der Verband die Abschaffung von gesetzlichen Normen, die nicht mehr zeitgemäß oder unter dem Gesichtspunkt des bürokratischen Aufwands unverhältnismäßig sind: Zu ersteren zählt die Pflicht zur Einhaltung der täglichen Höchstarbeitszeit, respektive ununterbrochene Ruhezeit von elf Stunden. Hier fordert der Verband einen Umstieg von der täglichen auf die wöchentliche Höchstarbeitszeit, um den veränderten Konsumgewohnheiten und Lebensstilen der Verbraucher und der Mitarbeiter und damit den Anforderungen an die Unternehmen Rechnung zu tragen. Zu den letzteren gehören bürokratische Belastungen durch umfangreiche Statistikpflichten für unterschiedliche Behörden und zunehmende Dokumentationspflichten z.B. im Mindestlohngesetz, Entsendegesetz, Arbeitssicherheitsgesetz, Medizinproduktegesetz, Abfallverordnungen, KartonagenVO u.v.m..

Kontakt: RAin Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin, Telefon 0711 6486420, Mobil 0163 7486420,
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Der Handelsverband Baden-Württemberg vertritt die politischen Interessen von über 40.000 Handelsunternehmen in Baden-Württemberg. Der Handel stellt den drittgrößten Wirtschaftszweig dar mit 500.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern, ca. 18.000 Auszubildenden und einem Umsatz von ca. 90 Mrd. Euro. Der Verband bietet zudem mit der Dienstleistungsplattform www.handel-scout.de eine Art „Wikipedia“ für den Handel an, welche angereichert mit Partnern aus den einzelnen Dienstleistungsbereichen und deren Wissen, für einzelne Bereiche Lösungen darlegen. Das daran angegliederte Weiterbildungsangebot www.handel-scout-akademie.de setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen: Präsenzschulungen und ELearning.

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