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Einzelhandel hofft auf bessere 2. Jahreshälfte

Der Einzelhandel im Land hofft nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr auf bessere Umsätze bis zum Jahresende. Die Stimmung bei den meisten Unternehmen jedenfalls ist vorsichtig optimistisch.

 „Wir haben uns in den ersten Monaten ordentlich geschlagen, wenn man an Unwägbarkeiten wie die lang anhaltende Kurzarbeit in vielen Betrieben hier im Südwesten, den  langen Winter oder die Verunsicherung vieler Verbraucher durch den Zick-Zack-Kurs und die Unentschlossenheit der Bundesregierung denkt“, sagte EHV-Präsident Horst Lenk am Dienstag in Stuttgart. 

Nach einer aktuellen Trend-Umfrage des Einzelhandelsverbands Baden-Württemberg bei den Händlern im Land konnten bis Ende Juni 41,8 Prozent (2009: 31,1 %) der Befragten ihre Umsätze steigern und immerhin 25,5 Prozent (2009: 18,6 %) halten. Etwa ein Drittel (32,7 Prozent, 2009: 50,3 %) verbuchte Umsatzeinbußen. Dass diese teilweise massiv waren, zeigt die amtliche Statistik: Das Statistische Landesamt weist für den Einzelhandel bis Mai insgesamt ein Minus von 1,5 Prozent (nominal) aus. Allerdings meldeten mehrere Branchen wie der Modehandel und der Sportfachhandel für den Juni erfreuliche Zuwächse – unter anderem im Zusammenhang mit sommerlichen Temperaturen und der Euphorie während der Fußballweltmeisterschaft.

Stimmung ist im Aufwärtstrend

Ein nachhaltiger Aufschwung beim Konsum lässt dennoch noch auf sich warten, so Lenks Resümee. Bei den Erwartungen für den Rest des Jahres sind die meisten Betriebe bei der Umfrage zur Halbzeit optimistischer gestimmt als noch vor einem Jahr: Laut der aktuellen Umfrage erwarten 34,6 Prozent der Betriebe (2009: 12,5 %) eine Umsatzsteigerung im 2. Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zu dieser Einschätzung dürfte auch die Konsumstimmung beitragen, die gut 80 Prozent der Betriebe als mittel bis gut bezeichnen (gegenüber 73 Prozent in 2009). „Die positiven Signale aus vielen anderen Wirtschaftszweigen speziell in Baden-Württemberg werden mittelfristig auch dem Handel Impulse verschaffen“, ist sich Lenk mit seinen Händlerkollegen einig. 

„Insgesamt hoffen wir im Land für das Jahr 2010 auf ein annähernd stabiles Umsatzniveau im Vergleich zu 2009“, so Lenk. „Dafür müssen wir allerdings in den kommenden Monaten deutlich zulegen.“ Als Voraussetzung hierfür nennt der EHV-Präsident einen anziehenden Arbeitsmarkt ohne Kurzarbeit sowie keine erneuten Belastungen für Arbeitnehmer, die die Kauflust drosseln könnten, denn „die Zukunftssorgen der Verbraucher sind Gift für die Konjunktur.“

Mit Sorge sieht der Einzelhandel auch die aktuelle Steuerdebatte und die diskutierte Erhöhung der Mehrwertsteuer. „Allein die vielen öffentlichen Gedankenspiele zu diesem Thema schaden unserer Branche enorm.“

Flächenexpansion erfordert Augenmaß

Auch die unaufhaltsam fortschreitende Flächenexpansion im Einzelhandel wird für viele Betriebe zunehmend zur Bedrohung. „Bei stagnierenden oder sogar rückläufigen Umsätzen und immer mehr Verkaufsfläche um jeden Preis wird es viele Verlierer geben. Wenn in Innenstädten und kleinen Gemeinden immer mehr Händler aufgeben müssen – in diesem Jahr befürchtet der Verband bundesweit rund 5.000 Insolvenzen – verliert die Vielfalt und letztendlich die Einkaufsqualität für den Verbraucher. Der Handel pocht deshalb auf Augenmaß bei allen geplanten Ansiedlungsprojekten. Der EHV initiiert aktuell das Koordinationsbündnis STAR. STAR steht als Abkürzung für die Themen Standort, Ansiedlung und Raumplanung und soll unter Federführung des EHV – der Interessensorganisation der Branche – als landesweites Informations- und Kompetenzzentrum etabliert werden. Eng eingebunden werden dabei die Regierungspräsidien im Land sowie die jeweiligen Akteure bei aktuellen Ansiedlungsprojekten. „Es geht dabei nicht um die Verhinderung neuer Handelsflächen, sondern um den richtigen Handel am richtigen Standort und die Abwägung aller Interessen“, so Lenk.  „Baden-Württemberg hat bei der Raumplanung in den letzten Jahren wirksame Instrumente wie den Einzelhandelserlass oder die Märkte- und Zentrenkonzepte geschaffen, die aber auch konsequent angewendet werden müssen, sonst verliert der vorhandene Handel seine Planungssicherheit und letztendlich seine Investitionsbereitschaft“, fordert Lenk.

Keine rechtliche  Handhabe hat man leider bei den derzeit drei geplanten Factory Outlet-Centern nahe der deutschen Grenze, die vorwiegend auf Kundschaft aus Baden-Württemberg zielen. Nachdem das große FOC in Roppenheim (Elsaß) nun gebaut wird, stehen für die so genannten Schnäppchengiganten bei Colmar (F) und im schweizerischen Wigoltingen demnächst die Entscheidungen an. Auch hier will der EHV mit seinem Projekt STAR aktiv werden, indem er als grenzübergreifender Ansprech- und Informationspartner für den Handel agiert.

Einzelhandel vorbildlich bei Ausbildung und Beschäftigung

Als absolut vorbildlich zeigte sich der Einzelhandel im Land während der Krise in Sachen Mitarbeiter: Sowohl Mitarbeiter- wie auch Ausbildungszahl nahm gegen den allgemeinen Wirtschaftstrend zu. Von 2007 bis 2009 (Stichtag jeweils 30.9.) stieg die Zahl der Arbeitnehmer im baden-württembergischen Einzelhandel um 3 Prozent. Bei den Auszubildenden wurde in den zurückliegenden fünf Jahren sogar ein Plus von 34 Prozent erreicht. Die erfolgreiche Ausbildungskampagne „Helden des Handels“ des Einzelhandelsverbands wird deshalb auch künftig weitergeführt, um dem drohenden Fachkräftemangel frühzeitig entgegenzuwirken. Derzeit hat der Einzelhandel in Baden-Württemberg knapp 270.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 17.000 Auszubildende.

Die Grafiken zur Konjunktur im Einzelhandel finden Sie hier

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